Kultur


Van harte welkom in Amsterdam, Brugge, Gent & bienvenu Bruxelles!

Ein Reisebericht vor den Ferien :)

Nach einer langen Vorbereitung, beginnend im Herbst mit der Auswahl der Zielregionen durch die SchülerInnen der 5A, gefolgt von der inhaltlichen Ausrichtung und Schwerpunktsetzung auf die Stadtkultur und die europäische Union, über das Einholen der diversen Genehmigungen und Unterstützungen bis hin zur detaillierten Organisation der Reise im Frühjahr war es endlich so weit: die Kulturwoche konnte beginnen! Monatelang, während all den Prüfungen, Schularbeiten und dem oft dichten und anstrengenden Schulalltag, haben wir uns darauf gefreut, die Tage heruntergezählt und nun saßen alle erwartungsvoll am 20.Juni im Bus. Und dort saßen wir lange, sehr lange sogar, 14 Stunden durch Österreich, Deutschland und schließlich die Niederlande, bis endlich Amsterdam vor uns lag.

Die Müdigkeit wurde abgeschüttelt und das Amstel Botel bezogen. Das „Floating Hotel“ - ein schwimmendes Hotel befindet sich im Stadtzentrum, gleich neben der ehemaligen NDSM-Werft und damit mitten im künstlerischen und kulturellen Hotspot von Amsterdam – war unser Ankerpunkt für die nächsten beiden Tage. Von dort aus ging es mit der öffentlichen Fähre ins Herz der Stadt und weiter vier Stunden zu Fuß mit einer Stadtführerin durch alle Gassen und Kanäle der Stadt. Unmengen an RadfahrerInnen (auf jeden Einwohner der Stadt kommen durchschnittlich 13 (!) Fahrräder) wohin man auch blickte, viele junge Menschen und eine sehr belebte Stadtkultur erstaunten uns. Die Haupttransportwege sind für RadfahrerInnen und alle Anderen haben sich ihnen unterzuordnen, nur Motorroller und Elektromobile kommen noch schneller durch die Stadt. Autos und Busse haben Nachrang oder gar keine Möglichkeit durchzukommen. FußgängerInnen werden gnadenlos mit diversen Signalen "aus dem Weg geräumt". Es grenzt somit an ein Wunder, dass alle SchülerInnen lebendig und sehr glücklich in einer der Grachten am Abend zum Sitzen kamen. Eine herrliche Bootsfahrt mit der langsam am Horizont untergehenden Sonne offenbarte die viele Details.

Da in der Geschichte Amsterdams die Grachten einen der Haupttransportwege für Güter und Menschen darstellten, war es üblich, die Steuern für ein Gebäude nach seiner Breite am Kanal zu bemessen. Folglich entstanden in Amsterdam vorwiegend Häuser, die sehr schmale Vorderfronten entlang der Grachten aufweisen, dafür aber, um genügend Wohnraum oder Lagerplatz für Güter zu bieten, verhältnismäßig lang und hoch sind. Diese Bauweise eignete sich allerdings nicht für die Anlage breiter Treppenhäuser; vielmehr waren die Treppenhäuser meist zu schmal für sperrige Güter oder Möbel. Gegenstände, die nur schwer über das Treppenhaus zu transportieren waren, wurden stattdessen über die Fenster ins Haus befördert. Um diesen Vorgang zu erleichtern, befinden sich an den Giebeln vieler historischer Gebäude vorstehende Balken, an denen sich Flaschenzüge anbringen lassen. Weiterhin sind viele Fassaden leicht nach vorne geneigt, das ist architektonisch so gewollt und wird „op vlucht“ genannt. Die Vorneigung beträgt 0,2-2,5 cm pro Höhenmeter. Die Giebel konnten wegen der Enge nicht in die Breite gebaut werden, dafür wurden sie in reicher Ausführung in die Höhe gebaut. Giebelvariationen aus vier Jahrhunderten prägen die Altstadt. Treppengiebel, Schnabelgiebel, Glockengiebel und Leistengiebel sind besonders häufig zu sehen.

Zum anderen wurden in Amsterdam die Häuser früher auf Holzpfählen gebaut, und diese sind im Laufe der Jahrhunderte langsam vermodert. Daher machen die historischen Stadtteile Amsterdams einen leicht „schiefen“ oder „verzerrten“ Eindruck. Amsterdam steht auf rund fünf Millionen Holzpfählen, die wegen des feuchten, sandigen Untergrundes notwendig sind. Heute werden wegen längerer Haltbarkeit, einfacherer Baumethoden und größerer Tiefe Betonpfähle verwendet. Der Hauptbahnhof steht auf rund 8.600 Pfählen; der Königliche Palast auf 13.659 Pfählen.

Nach einer herrlich entspannten Nacht am Fluss und gestärkt vom Frühstückbuffet verbrachten wir den kommenden Tag in den Museen. Am Vormittag stand das Van Gogh Museum, ein Kunstmuseum im Amsterdamer Stadtteil Oud-Zuid am Programm. Es beherbergt die größte Sammlung an Werken des niederländischen Malers Vincent van Gogh. Ausgestattet mit multimedia guides erkundeten wir das vierstöckige Museum mit den Werken und Briefen, die die Lebensgeschichte des niederländischer Malers und Zeichners abbilden. Nach einer Mittagspause in einer der vielen schönen Parkanlagen mit Verpflegung, Entspannung oder Ballspielen gingen wir zu einem der absoluten Highlights der Reise. Das NEMO ist ein von Renzo Piano entworfenes Technologie-Museum der Wissenschaften in Amsterdam in der Nähe des Hauptbahnhofes. Die Ausstellung enthält auf vier Ebenen Exponate aus allen Wissenschaftsbereichen. Im Vordergrund stehen dabei Experimente zum Anfassen, sowie technische und biologische Aufklärung für kleine und große Besucher. Das Besondere dieses Museums ist die ausdrückliche Aufforderung alles anzufassen, auszuprobieren und somit selbsttätig zu entdecken. Alles bei NEMO ist interaktiv – eine spannende Entdeckungsreise, die auch weniger an Naturwissenschaften begeisterte SchülerInnen faszinierte! Es ist einfach spannend zu sehen, wie man in der 'Alterungsmaschine' in 30 Jahren aussehen wird, wie man mit schwankenden Wolkenkratzern bei Amazing Constructions experimentieren kann, oder bei Teen Facts zu erfahren, was bei einem Kuss so alles passiert. Alle blieben bis zur letzten Minute. Anschließend verfolgten wir den Sonnenuntergang entspannt auf der Dachterrasse des NEMO mit Blick über die Kanäle der Stadt.

Etwas wehmütig ob der noch nicht ergründeten Vielfalt Amsterdams ging unsere Reise mit einer Busfahrt nach Brügge vorbei am größten Hafen Europas bei Antwerpen weiter. Gespannt auf die Stadt mit den meisten im Vorhinein geäußerten Begeisterungsstürmen erkundeten wir die malerische Stadt. Sie sind selten, aber es gibt Orte, die alle Sinne berühren, die einem unter die Haut gehen. Stätten, die einen direkt ins Herz treffen, auch wenn man sie nie völlig ergründen kann. Brügge ist so ein einmaliger Ort. Geprägt von Kultur und Kunst, kosmopolitisch und ungeniert lebensgenießerisch, aber auch mysteriös mittelalterlich und zu alledem auch noch UNESCO Weltkulturerbestadt. Wenn man durch die gewundenen Gassen Brügges schlendert, entlang der stimmungsvollen Grachten oder durch die grünen Festungsanlagen, kann man sich in ihre geheimnisumwobene Eleganz nur hoffnungslos verlieben. Dazu blieb uns nur wenig Zeit. Schon bald darauf stand unser nächstes Ziel, nur eine Stunde Fahrzeit entfernt, auf dem Fahrplan: die Stadt Gent. Ein langer Spaziergang mit den Stadtführerinnen zeigte uns eine kompakte, authentische Stadt, in der Vergangenheit und Gegenwart in perfektem Einklang stehen. Wie auch in Brügge gleicht es einer Zeitreise, nur weniger museal und mehr mit Alltagsleben erfüllt. Biegt man um eine Ecke, so gelangen mit einem Mal vom vierzehnten ins einundzwanzigste Jahrhundert. In Gent schlägt das junge Herz einer kulturellen Stadt voller Musik, Theater, Film und bildender Kunst. Und natürlich wird das Stadtbild im öffentlichen und privaten Raum derzeit stark von der Fußballweltmeisterschaft geprägt. Nichts lieben und eint die Belgier so sehr wie ihre Fußballnationalmannschaft und ihr Königshaus. Deshalb sind auch fußballuninteressierte Einwohner an dem Weiterkommen besonders interessiert, weil dadurch die zunehmenden Spannungen zwischen den Volksgruppen überdeckt werden. Belgien ist von innerer Zerrissenheit– vor allem zwischen der flämischen und wallonischen Volksgruppe – geprägt. Insbesondere die Wahlerfolge separatistischer flämischer Parteien führten zu der häufig geäußerten Annahme, dass es letztendlich früher oder später zu einer Abspaltung Flanderns vom belgischen Gesamtstaat käme. Als problematisch wird hierbei insbesondere der künftige Status der von der französischsprachigen Bevölkerungsgruppe geprägten Hauptstadt Brüssel und seines verwaltungsmäßig zu Flandern gehörenden Umlandes, die zusammen den Wahlkreis Brüssel-Halle-Vilvoorde bilden, sowie die bisherige Einbindung Belgiens in verschiedene internationale Organisationen gesehen.

Die Zeit verflog und schon waren wir auf dem Weg nach Brüssel. Durch eine dichte Verkehrslawine rollten wir durch ein chaotisch wirkendes Treiben bis vor unsere Unterkunft für die letzten beiden Tage. Müde schleppten wir die Koffer über die engen, steilen Treppen des Van Gogh Hostels. Die Enttäuschung über den Zustand der Unterkunft, die ich in die Kategorie "Häuser aus denen man ausbrechen, statt einbrechen möchte." einordne war spürbar und meine schlechte Laune ebenso. Da überraschten mich zwei meiner Mädels mit der Aussage, dass wir dann wenigstens schätzen was wir sonst alles an Annehmlichkeiten haben und ohnehin nur wenig Zeit hier verbringen. Genau so war es: abgesehen von den wenigen Nachtstunden waren wir im Stadtleben unterwegs. Am Beginn entspannten wir uns im Bus auf der dreistündigen Fahrt durch Brüssel bei den interessanten Geschichten des Stadtführers, wobei wir dem belgischen König auf seiner Fahrt vom Büro nach Hause begegneten. Böse wer beim nach innen gerichteten Stacheldrahtzaun rund um das riesige Anwesen an eine Art Luxusgefängnis für die Blaublütigen denkt. Dann erkundeten wir den Stadtkern zu Fuß und erfuhren erstaunliches: Die riesigen Sandhaufen am Flussufer werden nach Saudi Arabien verschifft! Nicht dass das zu 3/4 aus Sand bestehende Land dem Wahnsinn verfallen wäre, nein, es hat das Pech, dass der eigene Sand nicht zur Betonerzeugung geeignet ist.

Brüssel glänzt nicht unbedingt durch große Sehenswürdigkeiten - manche sind enttäuscht, dass Manneken Pis so klein ist und das Atomium so weit außerhalb liegt - der Charme dieser Stadt liegt im Detail - in den schmalen Backsteinhäuschen, der Multikulturalität, dem internationalen Flair, dem eindrucksvollen Grand Place, dem Comicmuseen und natürlich dem Hard Rock Café. So müde konnten die SchülerInnen gar nicht sein, dass sie ihre Mittagsfreizeit nicht dafür nutzten, um von wo auch immer dorthin und wieder retour zu gelangen. Nur eine kleine Gruppe blieb mit uns im nächstgelegenen Park zum Essen und Relaxen. Zum Kosten gibt's für Schleckermäuler auch Schokolade - Godiva und Neuhaus zählen zu den bekanntesten Chocolaterien. Und das belgische Nationalgericht: Moules frites - Miesmuscheln (meist in Weißweinsauce) mit Pommes - mmmhhh. Für den erwachsenen Gaumen interessant sind die vielfältigen Biersorten - von Kriek (Kirschbier), das schon mehr nach Limo schmeckt über Karamellbier bis hin zum "Delirium Tremens", das mit seinen 12 Vol.% nicht jedem in Massen bekommt.

Der letzte Tag begann für viele früh, weil das Schlafen auf Plastikmatrazen und mit durch Staub zusammengehaltenen Decken nicht wirklich erholsam war. So machten sich meine sportlichen Jungs einfach auf, um im Fußballkäfig mit den Einheimischen zu spielen und nebenbei die französischen Fußball-Fachvokabeln zu erlernen. Während ich einen gemütlichen Lauf als Morgensport vorzog und die Eindrücke vorbei an den Baustellen, den Schaufenstern mit den diversen käuflichen Damen angrenzend an die Hochhäuser des Buisness-Viertels, weiter durch den botanischen Garten und wieder retour einsammelte. Kalt geduscht und "gefrühstückt" machten wir uns zu Fuß auf den Weg durch unseren "EU-Schwerpunkttag". Zuerst besuchten wir das EU-Parlament (Führung) und wurden anschließend von der österreichischen Abgeordneten Ulrike Lunacek empfangen. Die Grüne Politikerin, die mittlerweile, zur Vizepräsidentin gewählt wurde, erzählte aus ihrer Biographie und der Arbeit als Leiterin der Intergroup on LGBT Rights. Anschließend beantwortete sie kompetent und eloquent alle Schülerfragen zu diversen Themenbereichen wie Conquita Wursts Songcontest Beitrag, dem Buttersäure Angriff auf sie in Wien bei der Regenbogenparade, Ukrainekonflikt, Besuche von Putin und Erdogan in Wien, europäische Diplomatie, Finanzkrisen und Beitrittsprozessen der Länder aus der Balkanregion. Letzteres war besonders spannend, da in der 5A viele SchülerInnen Migranten erster oder zweiter Generation aus den betroffenen Ländern sind und somit eine emotionale Bindung zu dem Thema haben. Der nächste Stopp war ein Besuch im Parlamentarium dem Besucherzentrum des Europäischen Parlaments. Dynamische und interaktive multimediale Darstellungen begleiten dort durch die Geschichte der europäischen Integration und zeigen, wie sie unser tägliches Leben beeinflusst. Der "Tunnel der Stimmen" lässt in das mehrsprachige kulturelle Erbe Europas eintauchen, und mithilfe dreidimensionaler Tastmodelle kann das Europäische Parlament an seinen drei Arbeitsorten in Brüssel, Straßburg und Luxemburg entdeckt werden. Ein beeindruckender 360° Panoramafilm lässt unmittelbar in das Geschehen im Europäischen Parlament eintauchen. Als dritte und letzte Station besuchten wir die Ständige Vertretung Österreichs bei der EU. Tina Obermoser die Programmkoordinatorin des Besuchs- und Informationsdienstes und Lehrerkollegin empfing uns mit Speis und Trank, um in einem kurzen Vortrag das Zusammenspiel der EU-Institutionen und die für Österreich bedeutenden Aufgabenbereiche zu erläutern. Danach wurden die persönlich wahrnehmbaren Einflussbereiche der EU und die Meinungen und Stimmungen der SchülerInnen zur EU in einem Workshop bearbeitet. Von EU-weiten Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten, über das gemeinsame Zahlungsmittel bis zu den Regelungen für Glühbirnen und Gurken waren viele Themen präsent. Am Ende sollte ein Wort als Assoziation zu Europa gefunden werden. Eine spannende und schwierige Aufgabe, deren Ergebnisse im folgenden Wordle (Wortwolke) zusammengefasst und nach der Häufigkeit gewichtet verortet einsehbar sind.

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Die beiden häufigsten Begriffe "Zusammenhalt" und "Frieden" lassen hoffen für unsere europäische und persönliche Zukunft. Die SchülerInnen der 5A leben sie schon in der kleinen Welt der guten Klassengemeinschaft und werden mit Sicherheit auch die Zukunft mitgestalten. Vorerst versuchten allerdings alle die Erschöpfung und Müdigkeit der Woche in der langen Busrückfahrt irgendwie mit Schlaf zu reduzieren.

Abschließend möchte ich mich ganz herzlich bei allen, die zum Gelingen dieser spannenden Reise beigetragen haben, bedanken. Eine große Zahl an Menschen hat mit ihrem Wohlwollen und ihrer Unterstützung mitgeholfen: Angefangen bei der Schulleitung und Administration, welche die rechtlichen und organisatorischen Aufgaben mitgetragen haben, gefolgt vom Elternverein, der alle SchülerInnen finanziell nach ihren Bedürfnissen unterstützt hat, und den Erziehungsberechtigten, die bereitwillig die Kosten getragen und das Vertrauen aufgebracht haben, ihre Töchter/Söhne mitfahren zu lassen, bis zu unserem ausgesprochen hilfsbereiten und ortskundigen Busfahrer Zdenko Janjic und meinem Kollegen Matthias Lindner, die mich auf der Reise tatkräftig unterstützt haben. Dazu kommen noch die gut gelaunten Wettergötter, die uns eine Woche lang mit Sonnenschein verwöhnten. Tja und dann wäre da noch die 5A mit der es eine Freude ist zu arbeiten und zu vereisen. Ich danke euch „meine“ lieben SchülerInnen für eure Offenheit, Achtsamkeit, Begeisterungsfähigkeit, Disziplin, Ausdauer, Kritikfähigkeit und Lebensfreude, mit der ihr mir viel Freude bereitet. Für und mit euch strenge ich mich gerne an, überwinde alle möglichen Schwierigkeiten und setze auch so manche verrückte Idee in die Realität um. Ich wünsche euch allen einen guten Sommer und freue mich schon auf ein Wiedersehen in der 6A!

Mag. Barbara Klaus

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